Millionenschwerer Computerbetrug zum Nachteil einer Handelsplattform für kryptografische Zahlungsmittel aufgedeckt

Festnahme eines Verdächtigen und Durchsuchungen im Raum Koblenz

Bei der Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz ist seit Mitte des letzten Jahres ein Ermittlungsverfahren gegen einen Computerbetrüger im Raum Koblenz anhängig. Nach dem Ergebnis der aufwändigen vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz geführten Ermittlungen nutzte der Beschuldigte einen Programmfehler einer US-amerikanischen Handelsplattform für kryptografische Zahlungsmittel aus, der es ihm erlaubte, innerhalb kürzester Zeit von ihm eingesetztes Geld unberechtigt zu vermehren. Nach vorläufigen Berechnungen ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte von den Betreibern der Plattform unbemerkt einen bestimmten Vorgang mehrere hundert Mal wiederholte und sich auf diese Weise Zugriff auf Krypto-Token im damaligen Wert von etwa 4,5 Millionen Euro erschwindelte.

Am Morgen des 15.05.2019 wurde im Raum Koblenz die Wohnung des Beschuldigten durchsucht. Dabei konnten über 40.000,- Euro Bargeld und Guthaben kryptografischer Zahlungsmittel im Wert von über 180.000,- Euro sichergestellt werden. Es wurden zudem Dokumente gefunden, die darauf hindeuten, dass der Beschuldigte erhebliche Summen ins Ausland transferiert hat. Teile der Beute setzte er ferner zur Anschaffung hochpreisiger Unterhaltungselektronik sowie eines Luxusfahrzeugs der Marke Mercedes ein. Schließlich wurde umfangreiches Datenmaterial sichergestellt. Die Auswertung der Unterlagen und des Datenmaterials dauert an.

Weil Fluchtgefahr besteht wurde der Beschuldigte festgenommen. Der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Koblenz erließ am 15.05.2019 auf Antrag der LZC Haftbefehl gegen den 35 Jahre alten Mann wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs in über 300 Fällen. Er macht zum Tatvorwurf keine Angaben.

 

Presseauskünfte:

Generalstaatsanwaltschaft Koblenz

Der Generalstaatsanwalt

Tel.: 0261/1307-30101

 

Hintergrund:

1.

Die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) ist am 01.10.2014 bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz eingerichtet worden. Die Zentralstelle führt Ermittlungsverfahren der Internetkriminalität für ganz Rheinland-Pfalz, wenn es sich entweder um Verfahren von besonderer Bedeutung, besonderer Schwierigkeit und/oder von besonderem Umfang handelt.

2.

Kryptowährungen / Virtuelle Währungen / Kryptografische Zahlungsmittel

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) definiert Kryptowährungen bzw. Virtuelle Währungen als digitale Abbildung von Wert, der nicht von einer Zentralbank oder Behörde geschaffen wird und auch keine Verbindung zu gesetzlichen Zahlungsmitteln haben muss. Kryptowährungen werden von natürlichen und juristischen Personen als Tauschmittel verwendet und können elektronisch übertragen, verwahrt oder gehandelt werden. Überweisungen werden von einem Zusammenschluss von Rechnern über das Internet mithilfe einer speziellen Peer-to-Peer-Anwendung (Transfer der virtuellen Währung unmittelbar von Computer zu Computer) abgewickelt, so dass dabei keine zentrale Abwicklungsstelle – wie im herkömmlichen Bankverkehr – benötigt wird. Diese Anwendung wird als „Blockchain“ bezeichnet. Die Guthaben der Teilnehmer werden in persönlichen digitalen Brieftaschen gespeichert. Der Marktwert der Kryptowährungen unterliegt erheblichen Schwankungen und ergibt sich aufgrund von Angebot und Nachfrage. Wegen der weitgehenden Anonymität im Zahlungsverkehr sind virtuelle Währungen ein beliebtes Zahlungsmittel bei kriminellen Handlungen im sog. Darknet. Die bekanntesten virtuellen Währungen sind „Bitcoin“ und „Ethereum“.

3.

Krypto-Token

Eine Kryptowährung, die auf einer bereits vorhandenen Blockchain aufgebaut ist, wird als Token bezeichnet. Ein Token kann als Zahlungsmittel eingesetzt werden, kann aber auch andere Funktionen haben (z.B. in Form eines Anteils an einem Start-Up). Im Unterschied zu den sog. „coins“, die lediglich als Zahlungsmittel Verwendung finden sollen, weist der Token eine breitere Funktionalität auf.